Die Grausamkeit der Kreuzfahrer
Während die Anhänger der drei Religionen in Frieden und Harmonie
in Palästina lebten, entschieden die Christen in Europa, Kreuzzüge
zu unternehmen. Nach einem Aufruf von Papst Urban II am 25 November
1095 an den Rat von Clermont machten sich mehr als 100.000 Menschen
aus ganzem Europa auf, "das heilige Land von den Muslimen zu
befreien" und um den sagenhaften Reichtum des Ostens zu finden.
Nach einer langen und zermürbenden Reise, vielen Plünderungen und
Gemetzel an Muslimen erreichten sie 1099 Jerusalem. Die Stadt fiel
nach einer Belagerung von fast fünf Wochen, und die Kreuzfahrer
zogen ein. Die von ihnen dabei verübten Grausamkeiten stellten vieles
in den Schatten, was die Welt bisher erlebt hatte. Alle Muslime
und Juden in der Stadt wurden niedergemetzelt. Ein Historiker beschrieb
die Zustände so, "...ermordeten sie alle Arabers und Türken,
die sie fanden..., ohne Rücksicht darauf, ob es ein Mann oder eine
Frau war." Einer der Kreuzfahrer, Raymond of Aguiles prahlte
mit dieser Gewalttätigkeit: In zwei Tagen ermordete die Armee der Kreuzfahrer ca. 40.000 Muslime in der oben beschriebenen barbarischen Weise. Der Frieden und die Harmonie in Palästina, die seit Omar eingekehrt waren, endete in einem schrecklichen Gemetzel. Die Kreuzfahrer übertraten alle ethischen Gesetze des Christentums, einer Religion der Liebe und des Mitleids, und verbreiteten Terror angeblich unter Berufung auf das Christentum.
Die Gerechtigkeit Saladins Die barbarische Armee der Kreuzfahrer machte aus Jerusalem ihre Hauptstadt, und gründete ein lateinisches Königreich, dessen Grenzen sich von Palästina bis nach Antiochia erstreckten. Jedoch konnten sich die Kreuzfahrer, die Rechtlosigkeit und Unterdrückung nach Palästina gebracht hatten, nicht lang halten. Saladin vereinigte alle muslimischen Königreiche unter seiner Fahne in einem Heiligen Krieg und besiegte die Kreuzfahrer in der Schlacht von Hattin im Jahre 1187. Nach der Schlacht wurden die beiden Führer der Armee der Kreuzfahrer, Reynauld von Chatillon und König Guy, vor Saladin gebracht. Saladin richtete Reynauld von Chatillon, dessen Grausamkeit gegen Muslime ihn weithin bekannt gemacht hatte. König Guy dagegen ließ er gehen, da er nicht die gleichen Verbrechen verübt hatte. Palästina erlebte noch einmal wahre Gerechtigkeit. Unmittelbar nach Hattin und am gleichen Tag, an dem der Prophet
Mohammed in einer Nacht von Mekka nach Jerusalem gebracht worden
war, am Tag seines Aufstiegs, betrat Saladin Jerusalem und befreite
es von der Besetzung der Kreuzfahrer, die 88 Jahre angedauert hatte.
Als die Kreuzfahrer 88 Jahre zuvor die Stadt eingenommen hatten,
hatten sie alle Muslime innerhalb der Stadt getötet. Aus diesem
Grund hatten sie Angst davor, dass Saladin ihnen das Gleiche antun
würde. Aber er rührte nicht einen einzigen Christen in der Stadt
an. Er befahl nur den lateinischen (katholischen) Christen, die
Stadt zu verlassen. Den orthodoxen Christen, die nicht Kreuzfahrer
waren, wurde erlaubt, in der Stadt zu leben und ihren Gottesdienst
auszuüben, wie sie es wollten. Die britische Historikerin Karen
Armstrong beschreibt die zweite islamische Eroberung von Jerusalem
mit den folgenden Wörtern: Saladin war durch die Notlage der Familien zu Tränen gerührt, die auseinandergerissen waren und er ließ viele von ihnen frei, wie der Quran es nachdrücklich verlangt. Sein Bruder al-Adil war durch die Notlage der Gefangenen so beunruhigt, dass er Tausende von ihnen für seinen eigenen Haushalt erbat und sie dann sofort freiließ... Als Imad ad-Din den Patriarchen Heraclius sah, wie er die Stadt mit Pferdefuhrwerken verlies, die mit Schätzen beladen waren, drängte er Saladin, es konfiszieren zu lassen. Aber Saladin lehnte ab. Der Quran sagt, dass Eide und Verträge eingehalten werden müssen und es war wesentlich, dass die Muslime die rechtlichen Abmachungen einhielten... Heraclius zahlte sein Lösegeld von 10 Dinar wie jeder andere auch und wurde sogar mit einer speziellen Eskorte versehen, um seinen Schatz während der Reise zu sichern. Kurz gesagt, Saladin und die Muslime unter seinem Befehl behandelten die Christen mit großer Gnade und Gerechtigkeit, und sie zeigten ihnen gegenüber sogar mehr Mitleid als deren eigene Führer.
Nach Jerusalem setzten die Kreuzfahrer ihre Barbarei und die Muslime ihre Gerechtigkeit in anderen Städten in Palästina fort. Im Jahre 1194 hatte Richard the Lionheart (Richard Löwenherz), der als großer Held in der britischen Geschichte dargestellt wird, 3.000 Muslime, unter denen viele Frauen und Kinder, im Acre Schloss hinterhältig ermorden lassen. Obwohl die Muslime Zeugen dieser Grausamkeit waren, griffen sie nie zu den gleichen Methoden. Sie hielten sich an Allahs Befehl "O ihr, die ihr glaubt! ... Der Haß gegen Leute verleite euch nicht zu Verfehlungen...." (Surat al-Ma'ida: 2) und sie verübten nie Gewalttätigkeiten gegen unschuldige Zivilisten. Sie wendeten nie unnötige Gewalt an, auch nicht gegen die Armeen der Kreuzfahrer, die sie besiegten. Die Wildheit der Kreuzfahrer und die Gerechtigkeit der Muslime deckte erneut eine historische Wahrheit auf: Nur eine Verwaltung, die auf die Grundregel des Islams errichtet wurde, ermöglichte es den Menschen unterschiedlicher Religionen, in Palästina zusammenzuleben. Diese Tatsache wurde auch noch 700 Jahre nach Saladin, besonders während der osmanischen Periode, demonstriert.
Gerechtige und tolerante Herrschaft des Osmanischen Reiches Im Jahre 1514 eroberte Sultan Selim Jerusalem und seine Umgebung. Damit begann die fast 400 jährige Osmanische Herrschaft in Palästina. Wie in anderen osmanischen Ländern auch sollte diese Periode Palästina Frieden und Stabilität bringen und das Zusammenleben der verschiedenen Religionen sichern.
Das Osmanische Reich wurde durch eine Ordnung bekannt, das "Nations(Millet)-System" genannt wurde, ein System der Selbstverwaltung ethnischer und religiöser Gruppen. Die grundlegendste Eigenschaft dieses Systems war, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit erlaubt wurde, ihrem eigenen Glauben gemäß und sogar ihrer Rechtsordnung entsprechend zu leben. Christen und Juden, die im Quran als die 'Menschen der Schrift' beschrieben werden, fanden Toleranz, Sicherheit und Freiheit im Osmanischen Reich. Der wichtigste Grund dafür war, dass das Osmanische Reich, obwohl es ein islamischer Staat war, der von den Muslimen verwaltet wurde, kein Interesse daran hatte, seine Bürger zum Übertritt zum Islam zu zwingen. Im Gegenteil, der Osmanische Staat strebte an, Nicht-Muslimen Frieden und Sicherheit zu gewähren und sie so zu verwalten, dass sie mit der islamischen Regierung und Gerechtigkeit einverstanden sind. Andere große Staate hatten zur gleichen Zeit eine viel gröbere, unterdrückendere und intolerantere Vorstellung von Regierung. Das Königreich von Spanien konnte die Anwesenheit der Muslime und Juden auf der spanischen Halbinsel nicht tolerieren und verübte Gewalttaten gegen beide Gemeinschaften. In vielen anderen europäischen Ländern wurden Juden allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit unterdrückt (zum Beispiel wurden sie in Gettos eingesperrt) und wurden bisweilen Opfer von Massakern (Pogromen). Selbst untereinander fanden die Christen keinen Frieden; die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken im 16. und 17. Jahrhundert verwandelten Europa in ein blutiges Schlachtfeld. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Resultat dieses Konfliktes zwischen Katholiken und Protestanten. Als Folge dieses Kriegs wurde Mitteleuropa in ein Schlachtfeld verwandelt und allein in Deutschland kam ein Drittel der Bevölkerung, 15 Millionen Menschen, um. Angesichts solcher Zustände ist es eine unbestreitbare Wahrheit, dass die Osmanische Herrschaft außerordentlich menschlich war. Viele Historiker und Politikwissenschaftler haben die Aufmerksamkeit
auf diese Tatsache gelenkt. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Edward
Said, ein international bekannter Experte für die Geschichte des
den Mittleren Osten an der Columbia Universität. Edward Said, der
von einer christlichen Familie Jerusalems abstammt und an amerikanischen
Universitäten seine Forschungen fortsetzt, empfahl in einem Interview
in der israelischen Zeitung Ha'aretz das "Nations-System
(Millet-System) des Osmanischen Reiches", um im Mittleren
Osten permanenten Frieden zu stiften. Er sagte:
Die Moral des Koran: Die Quelle der islamischen Toleranz Der wesentliche Grund für die Errichtung der außerordentlich toleranten, gerechten und menschlichen Herrschaft im Osmanischen Reich und in anderen muslimischen Staaten besteht darin, dass im Quran eine derartige Herrschaftsform gefordert wird. Der Grund für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Toleranz und zivilisiertes Verhalten, die Omar, Saladin, Sultane des Osmanischen Reiches und viele andere muslimische Herrscher an den Tag legten (eine Tatsache, die heute auch im Westen akzeptiert wird), war ihre Treue gegenüber Allahs Geboten, die Er im Quran offenbart hat. Im Folgenden sind einige der Gebote aufgeführt, die die Grundlage der islamischen Ansicht von Regierung bilden: Siehe, Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet, nach Gerechtigkeit zu richten. Siehe, Allah - wie trefflich ist das, wozu Er euch mahnt! Siehe, Allah hört und sieht. (Sura an-Nisa: 58) O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut. (Sura an-Nisa: 135) Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren Häusern vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden. (Sura al-Mumtahina: 8) Von der Politik heißt es 'Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut.' Dies bedeutet, dass jeder, der politische Macht erreicht, infolge der Möglichkeiten, die diese Macht ihm bietet, moralisch korrumpiert wird. Diese Regel trifft tatsächlich für die meisten Menschen zu. Denn diese Majorität bestimmt ihre Moral entsprechend den gesellschaftlichen Sanktionen. Mit anderen Worten; sie vermeiden Unmoral und Straftaten, nur weil sie sich vor der Missbilligung und Bestrafung der Gesellschaft fürchten. Die Macht gibt ihnen Stärke und verringert den sozialen Druck. Infolgedessen werden sie ganz leicht verdorben und degeneriert. Wenn sie absolute Macht besitzen, d.h. wenn sie eine Nation beherrschen, können sie alles tun, um ihren Hochmut zu befriedigen. Das einzige Modell des Menschen, in dem das 'Gesetz der Korruption' nicht gilt, ist der aufrichtige Glaube an Allah. Die Annahme der Religion aus Furcht und Liebe vor Ihm und ein Leben entsprechend dieser Religion. Da ihre Moral nicht von der Gesellschaft abhängig ist, beeinflusst sie selbst die absoluteste Herrschaft nicht. Im Quran gab Allah den Propheten David als Beispiel eines idealen Herrschers, während er diejenigen beherrschte, die seine Berechtigung in Frage stellten, betete er in völliger Unterwerfung zu Allah. (Sure Sad: 24) Die Tatsache, dass es in der Geschichte des Islams eine große Anzahl von gerechten, barmherzigen, demütigen und reifen Herrscher gibt, ist dieser Moral geschuldet, die Allah den Muslimen im Quran nahebringt. Solange ein muslimischer Herrscher Allah fürchtet, gibt es ausgeschlossen, das er verdorben, stolz oder grausam werden könnte. (Selbstverständlich gibt es in der Geschichte des Islams Herrscher, die verdorben waren und von der islamischen Moral abwichen, aber ihre Anzahl und ihr Einfluss waren sehr gering). |